Clubhouse-Gründertalk zum Thema
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Der Clubhouse-Gründertalk zum Thema „Wie können wir das Ökosystem für Startups und Scaleups verbessern?“

Christian Lindner, Johannes Reck, Bettina Stark-Watzinger, Christian Miele, Frank Thelen und Katja Hessel haben die Frage gemeinsam beleuchtet.

Wir haben zugehört und für euch einige spannende Momente herausgepickt.

Der Talk zum Nachhören:

Dauerbrenner bei allen wirtschaftlichen Fragen: Corona.

Hier steigt die Gruppe auch ein. Johannes Reck blickt positiv auf die aktuelle Gründer-Entwicklung:

„Man muss insgesamt sehen, dass sich das technologische Rad schneller dreht als jemals zuvor. Einige Prozesse, die sonst ein paar Jahre gedauert hätten, sich nun in Monaten abgespielten.“

Die Gründer in Deutschland seien heißer als zuvor. Das Land ginge nach vorne.

Woran das liege?

Christian Miele glaubt, für Gründer sei die Corona-Pandemie „auch nur wieder eine weitere Herausforderung, mit der man lernen müsse umzugehen“.  Das grundlegende Skillset passt tendenziell eher gut zu solchen Krisensituationen. Außerdem würden gesunde Geschäftsmodelle weiterhin finanziert.

Frank Thelen wünscht sich diese „Gründer-DNA“ auch in der Politik.

Als Gründer und Macher frustriert es ihn, dass so wenig auf Daten und andere Möglichkeiten als Lockdown gesetzt wird.

„Wie würde ein Elon Musk mit First Principle Thinking und Daten daran gehen?“

Für die Tech-Szene sei 2020 das beste Jahr ever gewesen. Vielen ginge es aber auch „wirklich, wirklich schlecht“ – unter anderem auch durch IT-Probleme bei den Wirtschaftshilfen.

Was kann man konkret in Sachen Ökosystem tun?

Christian Lindner wünscht sich, wie Frank Thelen, eine agilere Politik.

Schnell- und Selbsttests und eine kluge digitale Strategie, die z. B. einen 12-Stunden-Impfausweis automatisch ausstellt, könnte vielleicht ein Elon Musk-Zugang sein, der einen ganz anderen Umgang mit der Pandemie ermöglicht.

Frank Thelen priorisiert ganz klar das Vorantreiben der Digitalisierung – denn diese habe „ernsthaft Menschenleben gerettet“.

„Warum trauen wir uns in der Politik nicht (…), analoge Dokumente zu verbieten? Geschwindigkeit und Echtzeitdaten bringen nicht nur tolle Businesses voran, sondern retten auch Leben.“

Im Verlaufe der Diskussion fordert er einen rechtlich anerkannten Standard.

ESOPs und Mitarbeiterbeteiligung

Für Christian Miele liegt die Priorität auf ESOP-Besteuerung und Zukunftsfonds, aber auch in Umdenken und einem Mentalitätswechsel in der Politik. Themen wie die Regulierung der GAFAs, das Außenwirtschaftsrecht, die Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik, Klärung von wichtigen Fragen zu z. B. Haftung im Home-Office – das alle müsse schneller und pragmatischer bearbeitet werden.

Das Beteiligungsmodell ESOP – ist das überhaupt noch realisierbar?

Christian Miele sieht noch Möglichkeiten. Am Ende müsse man aber feststellen, dass Olaf Scholz seine Rolle als Finanzminister mit seiner Aufgabe als möglicher Kanzlerkandidat der SPD verwechselt habe. Es habe ihm das notwendige Interesse und die notwendige Umsetzungsstärke gefehlt.

Andreas aus dem Publikum fragt die SPD und Kevin Kühnert, ob Mitarbeiterbeteiligung nicht auch eine sozialdemokratische Erzählung sein könnten, wenn man den „normalen“ Bürgern die Möglichkeit am Vermögenszuwachs aus den Eigenkapitalmärkten gibt.

Christian Lindner bezieht hier Stellung, indem er sagt:

SPD und Grüne sehen Verbraucherschutz und Risikominimierung als Regulierungsziele am deutschen Kapitalmarkt, während Wettbewerbsfähigkeit eine viel geringere Rolle spiele.

Auch das Vertrauen auf Marktkräfte sei geringer ausgeprägt.

Fondsstandort Deutschland – Feld für Start-ups und Scaleups

Und wie sieht es mit dem Fondsstandort Deutschland aus – wo kommt das Geld für Startups und Scaleups her?

Bettina Stark-Watzinger klingt enttäuscht:

Der Entwurf für das Fondsstandortgesetz liege sehr weit hinter den Hoffnungen zurück.
Bettina stark
Bettina Stark-Watzinger
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Andere Länder seien viel mutiger. Bisher käme das Geld für wirklich große Wachstumsmöglichkeiten nicht aus Deutschland. 

Christian Miele kann das bestätigen:

Amerikanische oder asiatische Investoren seien ja völlig ok, es sei aber nicht gut, wenn deutsche Investoren da nicht mal im Ansatz mithalten könnten. Es wird viel Potential und Geld liegen gelassen.

Christian Lindner hält fest:

„Das Kapital liegt ja vor. Billionen privates Anlagekapital bei Lebensversicherungen oder Versorgungswerken. Und der Staat gibt eine Anlagepolitik vor – regulatorisch – und lenkt das Geld in Staatsanleihen und Immobilien-Investments und weg von den unternehmerischen Möglichkeiten.“

Die Frage sei, wie können wir das private Kapital unter Verwaltung (2,5 Billionen Euro), bei den Lebensversicherungen und Versorungswerken für direkte Unternehmensbeteiligungen mobilisieren?

Frank Thelen merkt man bei diesem Thema an, dass es ihn aufbringt:

„Selbst ein Kevin Kühnert (…) sollte für das Programm sein.“

Denn es gehe doch darum Wohlstand in die breite Masse zu tragen. Er verstehe gar nicht, dass hier nicht progressiver gehandelt wird.

Auch Katja Hessel spricht hier die Rolle von Olaf Scholz an. Es gäbe nur ganz kleine Verbesserungen, die großen Probleme seien gar nicht angegangen worden.

„Gerade halt auch, weil der Finanzminister an vielen Themen kein Interesse hat als Finanzminister, sondern einfach viel zu sehr zuerst Vizekanzler war und jetzt leider Kanzlerkandidat ist.

Q&A

Timo aus dem Publikum wird zugeschaltet. Er gründete vor 10 Jahren ein Unternehmen für personalisierte Ernährungsphysiologie und berichtet von einer 3-jährigen Jagd nach Geld. Zu hören bekam er: „Geht ins Ausland, fangt da an, kommt zurück, wenn ihr groß seid. Es ist extrem schwierig in Deutschland.“ Letztendlich sei die Gründung im Prinzip aus Privatvermögen finanziert worden.

Johannes Reck kennt das Problem: Er hat inzwischen über 600 Millionen EUR für GetYourGuide geraised – davon weniger als 5 % deutsches Geld. Das Mindset muss dringend geändert werden. Es gäbe eine große Gründerkultur in Deutschland. Aber es wurden keinerlei Anreize gesetzt, ein attraktives Ökosystem zu etablieren. Wenn die Fonds aus dem Ausland kommen, gehen natürlich auch die Gewinne ins Ausland.

Durch alle Unterthemen zieht sich eines durch die gesamte Diskussion: Veränderungen sind zu langsam, zu schwerfällig, stoßen an zu viele Grenzen und Verhinderer.

Johannes Reck: „Wir als Gründer werden dafür bewertet, wie gut wir unser Unternehmen führen.“ Und die Politiker-Währung sei der Wahlkampfgewinn. Man müsse leider sagen, dass der Kurs des Nichtmachens in den letzten 15 Jahren sehr erfolgreich war.

Frank Thelen erinnert nochmal an das fehlende Mindset – es liege nicht nur an taktischen Wahlkampf-Überlegungen.

Spräche man mit Olaf Scholz oder Peter Altmaier über Geldanlagen, wären keine „disruptiven Innovationen“ auf dem Schirm. Soweit er wisse, hätten die beiden nicht mal Aktien im eigenen Portfolio. Der Arbeitsalltag sei geprägt von Akten und Papieren. Wie man mit Software und evtl. KI hundert- ja tausendfache Verbesserungen erzeugen könne, würde nicht verstanden und nicht gelebt.

Steffanie wird auf die Bühne geholt, sie ist Gründerin in Elternzeit und wirft einen Blick auf Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und ggf. gleichzeitiger Gründung. Betreuung sei ein großer Punkt. Betreuungszeiten und -kosten, auch die Gestaltung der Betreuungsangebote müssten sich verbessern.

Bettina Stark-Watzinger berichtet in diesem Zusammenhang von einem Antrag auf Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten, um höhere finanzielle Flexibilität zu erreichen. Steffanie macht deutlich, dass gerade Gründerinnen hier noch zusätzliche Schwierigkeiten aus dem Weg räumen müssen, um erfolgreich durchstarten zu können.

Julia, FDP-Basispolitikerin, die zum Ende der Diskussion auf die Bühne geholt wird, nimmt noch mal die konkrete Fragestellung der Talkrunde auf. Sie sieht die Blockchain als die Technologie der Zukunft, um neue, vertrauensvolle Ökosysteme insbesondere für Startups zu bauen. Wie kann man die Anwendungsgebiete in die richtigen Wege leiten? Sie sieht die Gefahr darin, dass Deutschland abgehängt wird.

Frank Thelen hält das für ein ganz großes Thema, das seiner Meinung nach an der BaFin scheitert. Die Chancen werden nicht gesehen. Er sieht die Lösung nur in einer Reformation der BaFin.

Thomas Heilmann, CDU, hat sich massiv für die Blockchain eingesetzt – jedoch würden nur die Risiken statt der Chancen gesehen.

Bettina Stark-Watzinger erzählt dazu, ihr sei angeboten worden, ein Corona-Testergebnis per Blockchain zu erhalten. Dies habe den Vorteil des weltweiten Testnachweises. Daran sieht man, wie positiv Blockchains genutzt werden können. Sie konstatiert, dass die Welt der Verwaltung und Politik meilenweit weg sei von dem, was möglich ist und appelliert, das Thema zum Wohle aller voranzutreiben.

Hier kann Christian Lindner ein positives Signal setzen: Am 20. Januar habe die FDP einen Antrag im Bundestag eingebracht, um einen innovativeren Rechtsrahmen für Krypto-Assets zu schaffen (mehr dazu in der Drucksache 19/26025).

Christian Lindner beendet die Diskussionsrunde, die voller wichtiger Fragen, aber auch starken Anregungen war. Ein inspirierender Talk für alle Gründer, Investoren, Politiker und Zuhörer, die an einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung interessiert sind.

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